Wenn Ordnung schwerfällt - über das, was hinter dem Chaos liegen kann
Manchmal gerät das Leben aus dem Gleichgewicht.
Verluste, Überforderungen, Krankheiten, traumatische Erfahrungen oder lange Phasen von Einsamkeit können dazu führen, dass die äußere Ordnung Stück für Stück verloren geht. Räume füllen sich mit Dingen, Aufgaben bleiben liegen, und irgendwann fühlt es sich so an, als wäre der Berg unüberwindbar geworden.
Das, was im Außen sichtbar wird, ist dabei oft nur der Ausdruck eines inneren Geschehens.
Viele Menschen erleben Scham, Rückzug oder das Gefühl, versagt zu haben. Doch in Wahrheit geht es selten um „Faulheit“ oder „Unordnung“. Es geht um Schutz, Überforderung, emotionale Bindung und oft auch um Schmerz, der Raum braucht, bevor Veränderung wieder möglich ist.
Viele Namen - ein menschliches Thema
In Büchern oder Artikeln liest man Begriffe, wie Messie-Syndrom, Pathologisches Horten, Vermüllungssyndrom, Verwahrlosungssyndrom oder Wertbeimessungsstörung.
Solche Worte beschreiben verschiedene Facetten eines ähnlichen Phänomens: wenn das Loslassen von Dingen, das Strukturieren des Alltags oder die Pflege des Wohnraums sehr schwerfällt - manchmal bis hin zur Selbstisolation oder zum Verlust der Wohnung.
Doch wichtig ist
Diese Begriffe sind nicht die Menschen selbst. Sie sind nur Versuche, ein vielschichtiges Geschehen zu benennen.
Hinter jeder sogenannten „Messie-Situation“ stehen ganz unterschiedliche Lebensgeschichten, oft verbunden mit Themen, wie ADHS, Depression, Autismus, bipolaren Störungen, Traumafolgen, chronischen Erkrankungen oder schmerzhaften Veränderungen im Leben.
Manchmal war nie jemand da, der Strukturen liebevoll vorgelebt hat. Manchmal wurde Ordnung zur Bedrohung, weil sie mit Kontrolle oder Druck verbunden war. Und manchmal ist das Sammeln einfach ein stiller Versuch, sich sicher zu fühlen.
Wege in die Veränderung
Wenn man beginnt, all das zu verstehen „ohne Bewertung, ohne Scham“ öffnet sich ein Raum für Heilung und Entwicklung. Dann geht es nicht mehr darum, „die Wohnung in Ordnung zu bringen“, sondern darum, wieder Halt, Sicherheit und Selbstmitgefühl zu finden.
Ordnung kann daraus langsam entstehen, in einem Tempo, das dem Menschen entspricht, nicht den Erwartungen anderer.
Verständnis als erster Schritt
Es braucht Mut, über dieses Thema zu sprechen. Doch jeder Schritt in Richtung Verständnis, ob für sich selbst oder für einen Angehörigen, ist bereits ein Teil des Weges.
Hinter jedem Chaos steckt ein Mensch mit Geschichte, mit Hoffnung, mit Würde.
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