Messie-Syndrom

Ein Sammler steckt wohl in jedem von uns. Horten und sammeln ist uns Menschen stammesgeschichtlich mitgegeben. Es hatte ja mal den Sinn Nahrung und andere lebenswichtige Dinge für Notzeiten parat zu haben - ähnlich wie das Eichhörnchen. 

Doch was ist, wenn diese Leidenschaft unseren Alltag zusehends beeinträchtigt und erschwert? Wenn wir unsere Lebensbereiche buchstäblich „zubauen“ mit immer mehr unerledigten Aufgaben und Erinnerungen, von denen wir uns nicht trennen wollen oder können?  Die amerikanische Autorin Sandra Felton gab diesen Menschen einen Namen „Messie“ (abgeleitet vom englischen Wort „mess“ = Chaos, Durcheinander). 

Ein Messie ist ein Mensch, der mindestens in einigen Lebensbereichen – eine beständige Spur des Chaos oder der Verwüstung hinter sich herzieht. Menschen, die vom Messie-Syndrom betroffen sind, werden von ihren Erwartungen an sich, z. B. dem Perfektionismus, beherrscht, welche sie auch blockieren und lahmlegen können. So werden sie nie fertig, weil sie sich permanent verzetteln. Sie haben daher nie genug Zeit, vor allem nicht für sich selbst. Und das, obwohl sie/er sich pausenlos ändern oder bessern möchten.

Chaos im Kopf - Chaos in der Wohnung

Wiederherstellung menschenwürdiger Wohnverhältnisse, das zwanghafte Ansammeln von Dingen ist ein weit verbreitetes Phänomen. Es fängt oft ganz harmlos mit der Neigung an, Zeitungen oder etwa leere Schachteln aufzubewahren. Dinge, die man vielleicht später noch einmal brauchen kann. Leider artet dieses Verhalten oft in einem Zwang aus und führt zu sogenannten Messie-Wohnungen. In den betroffenen Wohnungen stapelt sich immer mehr Unrat, bis den Betroffenen kaum noch Platz bleibt. Messies wissen meist um die Irrationalität Ihres Handelns, sind dem Chaos aber hilflos ausgeliefert.

Aus Scham leben Menschen, die vom Messie-Syndrom betroffen sind, deshalb oft in der Isolation. Das soziopsychische Messie-Problem tritt dabei in allen sozialen Schichten auf und wird auch pathologisches Horten genannt. Solche zugemüllten Haushalte können zum Wohnungsverlust führen. Um den Verlust der Wohnung zu verhindern, muss die Unterstützung deshalb schnell und unmittelbar erfolgen. Seit Januar 2022 wird das Messie-Syndrom im ICD11 mit der Bezeichnung „hoarding disorder“ pathologisches Horten unter den Zwangsstörungen 6B24 aufgeführt und ist somit eine anerkannte Diagnose.

Durch unsere sozialarbeiterische Unterstützung in Form von Anleitung und Förderung, kann die Wohnung gemeinsam mit Ihnen wieder menschenwürdig hergerichtet werden. Doch manchmal hilft eine herkömmliche Unterstützung nicht mehr weiter – dann ist auf jeden Fall eine professionelle Grundreinigung gefragt.

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